20 Jahre MULTITWIST – Innovation – FRITSCH Blog

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20 Jahre MULTITWIST -

Eine Erfindung, die für Innovationskraft & -geist steht

Wer je das Vergnügen hatte, einem gelernten Bäckermeister beim Brezelschlingen von Hand zuzusehen, der begreift, wie viel Ingenieurskunst es benötigt, einer Maschine diesen komplexen Vorgang beizubringen. Die Brezel ist nicht umsonst das Wahrzeichen der Bäckerzunft.

Für den Anspruch von FRITSCH, seinen Anlagen das Bäckerhandwerk beizubringen, und seine erstaunliche Innovationskraft steht kaum eine Maschine so exemplarisch wie der MULTITWIST. Die erste Serie des vollautomatische Brezelschlingers wurde 1998 produziert, im Jahr darauf erstmals von einem Kunden eingesetzt und 2000 auf der iba vorgestellt. Seitdem wurde er laufend weiterentwickelt und kann heute eine Vielzahl unterschiedlichster Gebäcke in großer Stückzahl verarbeiten.

Die erste marktreife Generation vom MULTITWIST war das: Automatisches Schlingsystem Brezel (ASB)

Den Anfang machte dabei das Automatische Schlingsystem Brezel (ASB) von dem ein Dutzend verkauft wurden. Neben dem Erfinder Udo Bernhardt war ein deutscher Brezelhersteller die treibende Kraft, einen marktreifen Brezelschlinger zu entwickeln. „Der ASB war so aufgebaut, dass die Teigstrang-Enden der Brezel von unten genommen und umgeschlagen werden“, sagt Fred Dorner, Ingenieur und Leiter der Baugruppenkonstruktion bei FRITSCH. „Bei den späteren Anlagen liegt das Produkt auf dem Förderband und läuft durch. Daher können wir mit ihnen, das notwendige Werkzeug vorausgesetzt, heute auch andere geschlungene Gebäcke herstellen.“

Höchst innovativ war diese Erfindung aufgrund ihrer Fähigkeit, den ankommenden Strang, aus bäckereitypischen Strangmaschinen, so auszurichten und zu positionieren, dass Brezeln automatisiert in ihrer gewünschten Form geschlungen werden konnte. Somit war dies ein essenzieller Meilenstein, mit der die automatisierte Brezelherstellung erstmals ermöglicht wurde.

Die erste verkaufte ASB-Anlage produzierte 12.000 Brezeln pro Stunde und setzte sich demnach aus acht Brezelschlinger zusammen. Die komplexe Bauweise des ASB erforderte letztendlich viel Raum für die oft zu kleinen Backstuben der Handwerksbäcker, sodass der Ansporn wuchs, die Komplexität des Schlingers und der Anlage zu minimieren und die nächste Generation zu entwickeln. 

Pneumatisches Schlingsystem PSB mit dem neuen Schlingkopfsystem

Schon die zweite Generation, das Pneumatische Schlingsystem Brezel (PSB), brachte erhebliche Vereinfachungen und Verbesserungen. Dem PSB, der ab 2002 ausgeliefert wurde, wurde eine Kopfmaschine zur Teigportionierung vorgeschaltet. Die Teiglinge liefen über ein Förderband und eine Strangmaschine versorgte abwechselnd zwei PSB mit Teigsträngen.

„Der Unterschied zum ASB besteht darin, dass der PSB zwei Greifer hat, die das Produkt von oben greifen & schlingen. Das ermöglicht die Herstellung auf durchgängige aufeinanderfolgenden Transportsystemen, wie wir sie bis heute kennen“, erläutert Fred Dorner. „Mit dem PSB wurden neue technische Entwicklungen vorangetrieben. Z. B. das Dehnen der Stränge mit dem Schlingen der Brezel unter Spannung, um den Knoten der Brezel zu straffen.“

Fred Dorner - Leitung Baugruppenkonstruktion

Damit kann die Maschine in einer Bewegung das tun, wofür ein Mensch zwei Arbeitsschritte benötigt. Die pneumatische Steuerung lief in seiner letzten Baureihe mit 1.750 Brezeln pro Stunde schnell und zuverlässig und war deutlich einfacher aufgebaut als der ASB. Allerdings gestaltete sich der Tausch der Werkzeuge noch schwierig.

Griechische Sesamringe: Koulouri

Der Wunsch von Kundenseite, Brezeln verschiedener Größe herstellen zu können sowie eine Anfrage eines griechischen Händlers, der die in seinem Land beliebten Sesamringe – Koulouri - auf einer MULTITWIST herstellen wollte, brachte dann die nächsten Entwicklungsschritte: Mit dem 2005 entwickeltem Servomotorische Schlingsystem Brezel (SSB) mit vorerst pneumatischem Hub ist es aufgrund seiner Werkzeugwechseleinrichtung möglich diverse kundenspezifische Werkzeuge einzusetzen. Diese konnten vom Kunden selbst getauscht und damit die Produktion umgestellt werden.

„Der SSB erreichte eine Leistungsfähigkeit von 2.000 Brezeln pro Stunde. Diese hohe Leistung machte das Strang-Verteil-System unnötig, deshalb wird seitdem jeder Schlinger von einer eigenen Strangmaschine versorgt, was den Prozess deutlich vereinfacht, “

erläutert Teigtechnologe Alfred Ströbel aus der Abteilung Forschung & Entwicklung.

Das universelle Teigschlingsystem SSB erhielt den neuen Namen MULTITWIST.

Kurz darauf erhielt der SSB eine Werkzeugerkennung, die per Sensor ermittelte, ob das eingesetzte Schlingwerkzeug und der Schlingtisch zueinander passen. Mit diesem System konnten neben Brezeln verschiedener Größen auch Ringe und Stangen produziert werden.

Mit der Entwicklung des SSB mit Servo Hub, wie er bis heute zum Einsatz kommt, konnten sowohl die Zuverlässigkeit, die Genauigkeit sowie die Möglichkeiten der einsetzbaren Werkzeuge erweitert werden. „Mit den kleinen Servomotoren, die nun auch wirtschaftlich vertretbar eingebaut werden konnten, sind unterschiedliche Positionen auf den Millimeter für die Greifarme einstellbar. Das ist die Voraussetzung dafür, Einstrangzöpfe und andere geschlungene Gebäcke herstellen zu können“, betont Fred Dorner. Diese Weiterentwicklung wurde von den Experten bei FRITSCH aus eigener Initiative vorangetrieben und stieß bei den Kunden sofort auf Interesse, denn Zöpfe und Knoten waren bis dahin noch nicht maschinell herstellbar. „Der entscheidende Punkt bei der Herstellung ist, dass der Greifer das Teigende loslässt und an einer anderen Stelle wieder aufnimmt. Damit macht er genau das, was beim Brezelschlingen normalerweise vermieden wird“, beschreibt Alfred Ströbel den Unterschied bei der Produktion.

 

Apropos Greifer: Die Greifer des MULTITWIST bildeten auch die Grundlage für die Entwicklung des Croissant-Biegeroboters CBS, der die filigranen Gebäcke präzise und schonend biegen und formen kann.

Genau wie beim Brezelschlingen kommt es auch bei der Zopfproduktion darauf an, dass die Teigstränge zentriert und mit der richtigen Länge & Gewicht in die Anlage laufen. Um das zu bewerkstelligen, entwickelten die Ingenieure bei FRITSCH das kameragesteuerte Center Device.

Dieser macht ein Bild vom Strang, sodass die Form erkannt, die Länge geprüft und im Fehlerfall der Strang ausgeschleust werden kann. Die Stranglängenmessung wird außerdem dazu genutzt, eine Stranglängenregulierung anzusteuern, um den Strang selbst bei Teigschwankungen auf einer vorgegebenen Länge zu halten.

Damit konnte die Produktion von Einstrangzöpfen und Laugenstangen weiter verbessert werden. Je mehr Werkzeuge für den MULTITWIST verfügbar wurden, desto wichtiger wurde auch die Werkzeugerkennung. Mit dem 2012 entwickelten Radio Frequency Identification Chip, kurz RFID, kann der MULTITWIST erkennen, ob das eingesetztes Werkzeug und dazugehörige Programm aktiv sind. Falls nicht, zeigt die Anlage einen Fehler an und hilft so, Schäden am Werkzeugsatz zu vermeiden.

Geschlungene Knoten mit verschiedenen Saatgütern bestreut

Die Herstellung von Zöpfen war auch die Basis für die jüngsten Werkzeug-Entwicklungen von FRITSCH, mit denen Gebäcke wie Knoten oder die oberösterreichische Spezialität „Flesserl“ hergestellt werden können. Für sein Knotenwerkzeug erhielt FRITSCH 2015 einen der begehrten „iba awards“, die von einer unabhängigen Fachjury vergeben werden. Ein Jahr später kaufte ein polnischer Kunde den ersten MULTITWIST mit dem entsprechenden Werkzeug zum Knotenschlingen. Das erste Flesserl-Werkzeug lieferte FRITSCH im vergangenen Jahr an einen schweizerischen Tiefkühl-Backwarenhersteller aus. 

In mehr als 20 Jahren intensiver Zusammenarbeit zwischen FRITSCH und seinen internationalen Kunden hat der MULTITWIST eine erstaunliche Entwicklung genommen. Aus dem einfachen Brezelschlinger ist ein Multitalent geworden, für das Ingenieure wie Udo Bernhardt und Fred Dorner sowie für Teigtechnologen wie Alfred Ströbel noch viele weitere Ideen haben.

(v.l.n.r.) Udo Bernhardt - Abteilungsleiter F&E | Fred Dorner - Leiter Baugruppenkonstruktion | Alfred Ströbel - Teigtechnologe/F&E


 

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